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Pick of the Week

Jede Woche präsentiert der Lehrstuhl Maier Einblicke in die Forschung, gibt Literaturhinweise oder erzählt Anekdoten. Viel Spass beim Stöbern!

Mommsens Gehirn (20.05.2026)

Vor rund hundert Jahren, vor dem Ersten Weltkrieg, gehörte es zum Selbstverständnis eines aufgeklärten Gelehrten, dass er seinen Körper zur Obduktion freigab. So hielt es auch Theodor Mommsen. Sein Gehirn hat der berühmte Pathologe David Hansemann (1858-1920), ein Schüler Rudolf Virchows, seziert und Mommsens Fähigkeiten mit der Gehirnstruktur in Beziehung gesetzt:

"Beim Gehirn Mommsens fällt an beiden Hemisphären ein besonderer Windungsreichtum im Stirnhirn auf, was als Ausdruck bedeutender Assoziationstätigkeit, bzw. Kombinationsfähigkeit aufgefasst werden kann. Die sog. Zentralwindungen, das Gebiet für die Abgabe der bewussten Bewegungsimpulse der Extremitäten, sind beiderseits einfach gestaltet, was mit den Angaben übereinstimmt, nach denen Mommsen keinerlei besondere manuelle Geschicklichkeiten besass. Auch das dem Gehör dienende Gebiet im Schläfelappen beider Seiten zeigt eine auffallende Einfachheit der Faltung und der Gliederung, ein Umstand, der mit dem geringen musikalischen Sinn Mommsens in Beziehung gebracht werden kann."

NMPS

Exkursion nach Kleinasien (16.–26.04.2026)

Termessos bewies eindrucksvoll: Antike Geschichte liegt manchmal nicht im Staub, sondern im Nebel.

Während das Heroon von vergangenen Ruhmestaten erzählte, kämpfte unser Lehrstuhlinhaber mit den ganz eigenen Herausforderungen moderner Exkursionsleitung: Zeitplan, Wetter und motivierte Studierende.  Die Exkursion nach Kleinasien zeigte: Wer Geschichte wirklich verstehen will, muss manchmal auch im Nebel nach ihr suchen. Und: Eine Exkursion nach Kleinasien braucht nicht nur gute Schuhe und antike Quellenkenntnis, sondern auch heroische Gelassenheit im Regen.

NMPS

Die Historica-Suite (08.04.2026)

Was verbindet den Brexit mit dem antiken Athen? Wie sähen Schlagzeilen zu Cäsars Tod heute aus? Historica bringt 17 KI-Module direkt ins Geschichtsstudium der Universität Zürich. Wir ersetzen das Quellenstudium nicht, wir geben ihm neue Impulse: Von der Visualisierung komplexer Netzwerke bis zur Simulation historischer Analogien. Starten Sie jetzt mit den ersten vier neuen von Lukas Stuber am Lehrstuhl entwickelten Tools wie der Zeitungsmaschine oder Nexus – die Zukunft der Vergangenheit hat gerade erst begonnen.

Zu den Tools...

NMPS

"Auch du, Brutus?" (01.04.2026)

ZDFinfo wollte wissen, ob Caesar als Letztes wirklich ‚Auch du, Brutus?‘ gesagt habe. Unsere Antwort wurde etwas gekürzt, drum können Sie hier die ausführliche Antwort lesen:

‚Et tu, Brute?‘ ist historisch sehr wahrscheinlich nicht Caesars letzter Satz. Die berühmte lateinische Formulierung stammt nicht aus antiken Quellen, sondern wurde erst in der Frühen Neuzeit, vor allem durch Shakespeare, weltberühmt. In den antiken Berichten ist die Lage deutlich komplizierter: Sueton überliefert, Caesar habe beim ersten Stich nur gestöhnt und sonst nichts gesagt; zugleich erwähnt er als unsichere Nebenüberlieferung, Caesar habe zu Brutus auf Griechisch gesagt: ‚kai sy, teknon‘ – also etwa: ‚auch du, mein Kind/Sohn‘. Cassius Dio kennt diese Version ebenfalls, markiert aber ausdrücklich die andere Fassung – dass Caesar bei dem Angriff gar nichts mehr sagen konnte – als die glaubwürdigere. Genau darin liegt der Kern der Sache: Wir haben keine gesicherten letzten Worte Caesars, sondern konkurrierende Traditionen, die schon in der Antike selbst unterschiedlich bewertet wurden. In der neueren Forschung gilt deshalb meist als wahrscheinlichstes Szenario, dass Caesar keine klaren letzten Worte mehr äußerte. Zugleich zeigt die Forschung, dass die griechische Formel mehr sein könnte als ein bloßer Ausruf des Schmerzes: Sie lässt sich auch als literarisch geprägte, vielleicht sogar prophetische oder verfluchende Wendung lesen. Der Mythos vom sterbenden Caesar, der Brutus mit einem dramatischen Satz anspricht, ist also nicht frei erfunden – aber in der Form ‚Et tu, Brute?‘ ist er eher das Produkt späterer Literatur als harte Geschichte.

NMPS

Offene Stelle beim Lehrstuhl Maier (18.03.2026)

Für unser Team am Lehrstuhl Felix K. Maier (Alte Geschichte) suchen wir eine engagierte wissenschaftliche Hilfskraft mit Interesse an Künstlicher Intelligenz und digitalen Methoden. Zu den Aufgaben gehören die Entwicklung innovativer Prompting-Strategien, insbesondere zur Zusammenfassung und Erschliessung von Forschungsliteratur, sowie die Erstellung KI-gestützter Videos mit antiken Inhalten. Gesucht wird eine Person mit Neugier, Experimentierfreude und Interesse daran, die Möglichkeiten neuer Technologien für die Alte Geschichte produktiv auszuloten. Die Anstellung wäre zunächst auf 6 Monate beschränkt (Verlängerung möglich) und beträgt 10%. 

Zur Ausschreibung und zu den Aufgaben...

NMPS

Geschichte spielerisch erleben (11.03.2026)

Wer wäre ich gewesen, wenn ich zur Zeit Cäsars gelebt hätte? Wie hätte ich mich als Elisabeth von England 1588 beim Anmarsch der spanischen Flotte entschieden? Was wäre geschehen, wenn die Japaner Pearl Harbor nicht angegriffen hätten?

Geschichte spielerisch erleben und dabei Entscheidungsprozesse verstehen lernen: Das war das Ziel des Lehrstuhl-Mitarbeiters Lukas Stuber bei der Erstellung der KI-basierten Apps Timeshift und History Manager. Zögern Sie nicht und begeben Sie sich auf eine kleine Zeitreise!

Zum Timeshift, wo Sie erfahren werden, wer Sie in einer anderen Zeit gewesen wären...

Zum History Manager, wo Sie wichtige Entscheidungen treffen müssen...

NMPS

Zitat der Woche (04.03.2026)

„da mihi castitatem et continentiam, sed noli modo.“ (Aug. Conf. 8.7.17)
„Gib mir Keuschheit und Enthaltsamkeit, aber noch nicht jetzt!“

Wenn man an den bedeutenden Kirchenvater Augustinus von Hippo (354-430) denkt, dann erwartet man höchste moralische Disziplin und asketische Strenge – aber im Grunde war er der Erste, der versuchte, beim Thema Tugendhaftigkeit eine grosszügige Fristverlängerung mit dem Schöpfer auszuhandeln.

NMPS

Geschichte zum Anfassen (25.02.2026)

Kein römisches Atriumhaus aus der Antike hat sich bis heute vollständig erhalten. Von Zürich aus müsste man bis nach Augusta Raurica reisen, um sich einen Nachbau anschauen zu können. Damit man sich aber auch im Büro des Lehrstuhl Maier ein plastisches Bild dieser Atriumhäuser machen kann, hat ein Mitarbeiter des Lehrstuhls aus Klemmbausteinen ein solches nachgebaut.

In seiner Freizeit natürlich.

NMPS

Retraite des Lehrstuhls Maier (18.02.2026)

Welchen Herausforderungen muss sich die Lehre wegen der KI stellen? Wie lässt sich der universitäre Betrieb für die Zukunft gestalten? Woraus soll in den kommenden Jahren der Leistungsnachweis bestehen?

Diese und viele weitere Fragen zum universitären Betrieb, zu Forschung und Lehre diskutierte der Lehrstuhl Maier am 29. und 30. Januar 2026 im Rahmen seiner Retraite auf dem Uetliberg. Aber auch die aktuellen Forschungsprojekte konnten in ungezwungener Atmosphäre eingehend besprochen werden. Alles in allem für alle Teilnehmenden eine bereichernde Diskussion – nur das Wetter hätte schöner sein dürfen!

NMPS